Das ist die Zukunft der Arbeit

Arbeit nimmt einen zentralen Stellenwert in unserem Leben ein und ist Grundlage gesellschaftlichen Wohlstands. Die überwiegende Mehrheit aller Menschen geht einer Erwerbstätigkeit nach, um ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Ihr Einkommen bestimmt, in welchem Maß sie teilhaben können an Bildung, Kultur oder Konsum. Und der Zugang zur sozialen Sicherung, etwa zur Rente, hängt davon ab. Damit bekommt die Arbeit auch eine politische Funktion. Denn materielle Sicherheit und Teilhabe beeinflussen das gesellschaftliche Klima und die Einstellung zum politischen System.

AfA Arbeit
Bild: Pixabay
Arbeit ist mehr als der bloße Geldverdienst: Für viele bedeutet Arbeit, wertgeschätzt zu werden, sich mit anderen Menschen auszutauschen und Sinnvolles zu tun.

 

Arbeit im Fokus

Für die meisten von uns sichert das Arbeitseinkommen die Existenz und ermöglicht uns, am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben. Einer Arbeit nachzugehen, bedeutet jedoch weit mehr: Erwerbstätigkeit ermöglicht soziale Kontakte und sozialen Austausch, kann sinnstiftend und abwechslungsreich sein, Anerkennung und Wertschätzung vermitteln. Umgekehrt können geringe Einkommen, unsichere Beschäftigungsverhältnisse oder Überbeanspruchung sehr belasten.

Das Leitbild „Gute Arbeit“ steht weltweit für eine moderne, humane, demokratisierte Arbeitswelt mit fairen Einkommen, beruflicher und sozialer Sicherheit, Arbeits- und Gesundheitsschutz. Zudem sind kollektivrechtliche Entwicklungsperspektiven und Gestaltungsmöglichkeiten sowie Arbeitnehmermitbestimmung elementar. Eine starke Interessenvertretung durch repräsentative, demokratische und unabhängige Gewerkschaften ist hierfür unverzichtbar.

 

Die Herausforderungen an die Arbeitsmarktpolitik weltweit sind mannigfaltig

In zahlreichen Ländern jedoch gehört die Verletzung grundlegender Arbeitsstandards nach wie vor zum Alltag. Ein Großteil der Bevölkerung arbeitet ohne staatlichen Schutz oder soziale Absicherung.
Innerhalb der EU sind die sozialen Unterschiede eklatant: Durchschnittsverdienste, Arbeitslosenrate oder das soziale Netz klaffen zwischen Ländern wie Finnland und Rumänien weit auseinander. Brüssel hat nur wenige Kompetenzen in der Sozial- und Arbeitsgesetzgebung. Gleichwohl haben EU-Parlament, Rat und Kommission mit der Verabschiedung der Europäischen Säule Sozialer Rechte die Debatte um die soziale Dimension Europas wieder auf die Tagesordnung gehoben. Vorschläge zum Aufbau einer Europäischen Arbeitsbehörde, zum europäischen Mindestlohn oder zur Ausweitung des Sozialschutzes auf atypische Beschäftigungsformen und Selbständige sind einige Beispiele.

 

Alte und neue Tendenzen am deutschen Arbeitsmarkt treffen aufeinander

Das Wirtschafts- und Sozialmodell in Deutschland muss sich ändern. Die Spaltung in „gute“ und „schlechte“ Arbeit hat zugenommen. Die Grenzen zu überwinden, wird schwieriger. Die wirtschaftliche Entwicklungsfähigkeit ist zudem für das Gemeinwohl von entscheidender Bedeutung und da darf der mannigfaltige Wandel die Fachkräftesicherung und Nachwuchsgewinnung nicht zusätzlich belasten. Mehr Arbeitszeitsouveränität für die Beschäftigten ist nö- tig, damit sie den vielfältigen Verpflichtungen, die Vereinbarkeit von Privatem und Beruf, gerecht werden können. Schlüsselbranchen wie die Automobil-, Rüstungs-, Energie-, Chemie- und Agrarindustrie haben die deutsche Arbeitsgesellschaft über Jahrzehnte geprägt. Nun stehen sie vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Die Tarifbindung ist seit Jahren rückläufig, die betriebliche Mitbestimmung verliert an Boden. Trotz wirtschaftlichen Aufschwungs bleibt die Zahl der Langzeitarbeitslosen hoch. Das wiederentdeckte Konzept des öffentlich geförderten Arbeitsmarktes soll helfen, ihnen neue Teilhabechancen zu eröffnen.

 

Dekonstruktion der neoliberalen Rhetorik

Wenn das heutige Wirtschaftssystem nicht grundlegend geändert wird, um es sowohl in den einzelnen Ländern als auch zwischen den Staaten weniger ungleich, gerechter und nachhaltiger zu gestalten, wird der fremdenfeindliche ,Populismus‘ und seine Wahlerfolge zur Zerstörung führen.

Wirtschaftliche Entwicklung und menschlicher Fortschritt sind dem Engagement um Gleichheit und Bildung zu verdanken, nicht der Anbetung von Eigentum, Stabilität und Ungleichheit. Prozessen, in denen die Ungleichheit durch die Zivilgesellschaft in Frage gestellt wird, kommt daher eine entscheidende Bedeutung für einen Richtungswechsel zu. Wenn nicht die Sozialdemokratie, wer sonst sollte dies organisieren? Denn der menschliche Fortschritt existiert, aber er bedeutet auch Debatte, Ringen, Mühe, Streit und Auseinandersetzung.

Im Kern geht es darum: ein ausgewogeneres Narrativ zu erarbeiten und die Umrisse eines partizipativen Sozialismus für das 21. Jahrhundert darzustellen; das heißt, sich angesichts der menschlichen Natur mit größerem Optimismus einen neuen egalitären Horizont mit universeller Geltung, eine neue Anschauung der Gleichheit, des gesellschaftlichen Eigentums, der Erziehung und Bildung sowie der Verteilung von Wissen und Macht vorzustellen, auszutauschen und letztlich durchzusetzen.

 

Die Ökologisierung und Digitalisierung verlangt nach neuen Antworten

Der ökologische und digitale Wandel wird die Arbeitsgesellschaften weltweit prägen – wenngleich in unterschiedlichem Tempo und Ausmaß. Ob zum Guten oder Schlechten, hängt nicht zuletzt von der Ausgestaltung durch Politik und Sozialpartner ab. Einerseits werden Arbeitsplätze verschwinden, andererseits erschließen innovative Geschäftsmodelle neue Tätigkeitsfelder. Während mobiles Arbeiten Flexibilität und bessere Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf ermöglicht, braucht es gleichzeitig Schutz vor ständiger Erreichbarkeit. Zwar bieten digitale Plattformen für private, haushaltsnahe Dienstleistungen gering Qualifizierten unkomplizierten Zugang zum Arbeitsmarkt. Allerdings bergen sie zweifelsohne die Gefahr, prekäre Ausprägungen der Solo-Selbständigkeit zu fördern und Risiken einseitig auf die Plattformar- beiter_innen abzuwälzen.

 

Die Aus- und Weiterbildung gewinnt weiter an Bedeutung

Die Erwerbsbiografien der Zukunft werden stärker als bisher von Umbrüchen geprägt sein. Die berufliche Aus-, Fort- und Weiterbildung, die wesentlichen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklungsfähigkeit hat, wird immer wichtiger. Sie muss den Arbeitskräften von morgen zu einem breiten Spektrum an Begabung, Eignung, Qualifikation und (sozialen) Fähigkeiten (das Lernen lernen) verhelfen, um diese auf den stetigen Wandel vorzubereiten. Aus diesen Gründen (was schon immer galt) steigt der Wert der Bildung. So steht nicht nur die Bildungs- und Arbeitsmarktpolitik, sondern auch der Sozialstaat vor neuen Aufgaben: Wie kann sichergestellt werden, dass jede_r das Recht, das Geld und die Zeit zur Bildung oder zum beruflichen Neustart hat?

 

Das macht die Arbeitsgemeinschaft für Arbeitnehmerfragen – AfA

Die aufgezeigten Herausforderungen sind nicht alle neu – aber viele von ihnen verlangen nach neuen Antworten. Die AfA bringt die Arbeitnehmer_innen der SPD in Schleswig-Holstein zusammen, um Strategien und Konzepte für Gute Bildung, Gute Arbeit, ein gutes Leben, eine gute soziale Sicherheit, einen nachhaltigen Ausbau der Arbeitnehmerbeteiligung und eine zukunftsgerichtete Aus- und Weiterbildungspolitik zu erarbeiten. In ihr findet dazu die Meinungs- und Willensbildung statt, sie leistet die Aufklärung in den Politikfelder der Arbeitnehmerfragen und fördert den sozialdemokratischen Dialog durch Zusammenkünfte, Publikationen und Veranstaltungen.